Connect with the future

Zukunftstalk mit Trendforscher Dr. David Bosshart und Handelsexperten Mag. Marcus Wild

Drohnenzustellung, Handverlesenes vom Greißler ums Eck oder Selbstgebackenes... wie ticken die Konsumenten der Zukunft wirklich? Wo und was wollen sie einkaufen?

Wie skizzieren Sie als Trendforscher den Verbraucher der Zukunft und dessen Einkaufsgewohnheiten? Was kommt entgegen aller bisherigen Prognosen aus Ihrer Sicht nicht?

David Bosshart: Nicht der stationäre Handel stirbt, aber die heutigen Formate. Diese müssen sich viel schneller den sich wandelnden Kundenbedürfnissen anpassen können. Auf der einen Seite heißt das, alles, was mit Convenience und schneller Bedürfnisbefriedigung zu tun hat, wird an Bedeutung zunehmen. Schnell, einfach, bequem, mitnahmefähig. Auf der anderen Seite sehen wir die Disneyfizierung des Lebensmittelhandels, mit Produktionsbetrieben, Handel und viel Gastronomie. Zugespitzt gesagt: dazwischen gibt es nicht mehr viel.

Handel ist Wandel, alles ist im Fluss der Veränderung?

Marcus Wild: Das ist kein Fluss mehr, sondern ein reißender Strom geworden. Die klassischen Händler, wie wir sie vor 15 Jahren mehrheitlich in unseren Centern und Innenstädten vorfanden, werden immer weniger. Sie machen heute nur mehr 10–15 % aus. Das Konsumentenverhalten ist auch ein komplett anderes: Soziale Medien nehmen darauf Einfluss, insbesondere auf Kaufentscheidungen.

Was müssen die Handelsimmobilien der Zukunft bieten und was braucht der Konsument von einem Shopping-Center?

David Bosshart: Flexibilität und ein auf meine Bedürfnisse zugeschnittenes Erlebnis. Die Konsumenten wollen kein standardisiertes Filialgefühl mehr, das austauschbar ist. Niedrige Fixkosten und Innovationskraft werden wichtiger. Selbst Luxushotels errichten heute kurzzeitige Pop-up-Stores an unvorstellbaren Orten, um ein neues Markenerlebnis zu bieten und neue Kunden zu gewinnen. Das Erlebnis geht dorthin, wo die Kunden sind, nicht mehr umgekehrt.

Welche Rolle kommt dem stationären Laden zu?

Marcus Wild: Er ist die „fake-freie“, originäre, unverfälschte Markenbotschaft und bleibt auch in Zukunft der wichtigste Kommunikations- und Distributionskanal. Vom Duft im Store bis zur Musik und dem Ladendesign: All das transportiert die Botschaft und macht sie mit allen Sinnen spürbar. Der Ort wird zum Medium. Er prägt Stimmungen und Emotionen weit besser als Print- oder digitale Medien. Er definiert das Erleben einer Marke. Einem Ort muss es gelingen, Treffpunkt zu werden und ein pulsierender Marktplatz mit Tagesgesprächscharakter zu sein. Eine echte, reale soziale Plattform in einer digitalen Welt.

ZUM GESAMTEN INTERVIEW